Laschet und die Arroganz der Macht

Vor knapp drei Jahren schrieb ich schon mal einen Artikel über die immer stärker zu beobachtende Arroganz der Mächtigen in unserem Land. Nun reiht sich auch CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit Bravour in diesen wenig ruhmreichen Reigen ein.

Dass Laschet in Interviews und bei öffentlichen Auftritten sich die Wahrheit gern so zurechtbiegt, dass sie gerade zu seinen aktuellen Aussagen passt, haben ja schon einige Journalisten kritisiert (s. hier, hier und hier). Und das ist ja auch eines der deutlich erkennbaren Anzeichen für Arroganz der Mächtigen aus einer vermeintlich unangreifbaren Position heraus: Auch wenn einem nachgewiesen wird, dass man gelogen hat – was soll’s? Hat doch eh keine Konsequenzen!

Und auch seine strikte Weiter-so-Haltung mit Hang zur Klientelpolitik für Vermögende (s. hier und hier) scheint nicht nur komplett aus der Zeit gefallen zu sein, sondern ist eben in ihrer penetranten Beharrlichkeit auch ein Zeichen für Unbelehrbarkeit, der ja ebenfalls stets eine Menge Arroganz innewohnt.

Nun hat Laschet gerade allerdings noch mal richtig einen draufgesetzt und dafür berechtigterweise auch schon ordentlich Kritik einstecken müssen: Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede im Hochwassergebiet hält und seine Betroffenheit zum Ausdruck bringt, steht Laschet dahinter und feixt sich einen, gackert albern herum – warum auch immer (s. hier).

Es scheint Laschet also gar nicht interessiert zu haben, was der Bundespräsident da gerade so redet. Also scherzt er lieber mit umstehenden Parteigenossen, dabei auch jemand, den ich schon in meinem Artikel von vor drei Jahren als unangenehmes Beispiel für Arroganz benannt habe: Gregor Golland, der sich als Landtagsabgeordneter fürstlich nebenbei von RWE alimentieren lässt und das auch vollkommen o. k. findet, weil er ja so ein toller Typ ist, der beide Jobs gut macht. Und natürlich findet auch Golland das Ganze wohl irgendwie ulkig und lacht über beide Backen.

Als dann die Kritik daran sehr laut wurde, machte Laschet das, was arrogante Politiker eben immer so machen: eine halbherzige Entschuldigung raushauen. Dabei hat er dann, wie Sonja Thomaser in einem ausgesprochen lesenswerten Kommentar in der Frankfurter Rundschau treffend anmerkt, sich allerdings nicht für sein Verhalten entschuldigt, sondern nur betont, dass es ihm leidtäte, was deswegen für ein Eindruck entstanden sei – also eine sogenannten Non-Apology rausgehauen.

Mehr Blasiertheit, mehr Arroganz geht ja nun echt schon nicht mehr, oder?

Und klar: Laschet hat ja auch gut Lachen, wenn er sich nun die ganzen Menschen anschaut, die alles verloren haben. Denn vor zwei Jahren hat seine Regierung ja beschlossen, aufgrund von zu erwartenden immer öfter auftretenden und heftigeren Extremwetterereignissen die bis dahin für solche Fälle bestehenden Nothilfen abzuschaffen (s. hier).

Und spätestens jetzt bekommt das ganze unwürdige Gebaren von Laschet und seinen Spießgesellen eine absolut unappetitliche Komponente.

Das Schlimmer daran: Es wird keine Konsequenzen für ihn haben. Das weiß er auch, und deswegen verhält er sich auch mit großer Selbstgefälligkeit entsprechend. Laschet wird, wenn nicht noch Söder dazwischengrätschen (s. hier) oder er sich noch ätzendere Ungeheuerlichkeiten leisten sollte, auch nach diesem Vorfall, der nun wirklich aufgezeigt hat, dass er vollkommen ungeeignet für jedes Amt mit Verantwortung ist, mit großer Wahrscheinlichkeit der nächste Bundeskanzler werden.

Und auch als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen steht er ja in keiner Weise nach diesem Affront gegenüber allen Menschen, die gerade ihre Existenz verloren haben, zur Disposition.

So verhält sich kein demokratischer Politiker, sondern ein feudalistischer Herrscher, dem es einfach komplett wurscht sein kann, was „der Pöbel“ über ihn denkt. Aber auch solche Feudalherren haben sich ja in der Regel durch große Arroganz ausgezeichnet.

Und genau dort muss man jemanden wie Laschet und die CDU, die so einen Typen als Kanzlerkandidat aufstellt, auch einordnen.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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