Solidarität mit/in der Ukraine

Vonseiten hiesiger wie auch ukrainischer Politiker und Medien wird ja immer wieder Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine gefordert, und das ist auch nachvollziehbar und durchaus sinnvoll. Nun stolperte ich gerade über etwas, das bei mir dann jedoch die Frage aufkommen lässt, wie es denn innerhalb der Ukraine mit der Solidarität gerade so bestellt ist.

In einem Artikel von Paul Simon in den Blättern für deutsche und internationale Politik findet sich nämlich folgende Passage:

Die meisten Binnenflüchtlinge sind in den Westen und Süden des Landes geflohen, wo infolgedessen in den ersten Kriegsmonaten die Mieten sprunghaft anstiegen. So sind der ukrainischen Sektion von Transparency International zufolge die Mieten in der Region Lwiw zwischen Oktober 2021 und Mai 2022 um 96 Prozent gestiegen, in Iwano-Frankiwsk um 128 Prozent und in der Oblast Uschhorod gar um 225 Prozent. Der Soziologin Alona Liasheva zufolge habe das dazu geführt, dass viele bisherige Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt wurden. Die staatliche Wohnungspolitik aber habe bereits vor der russischen Invasion den Mietwohnungsmarkt ignoriert – es gebe kaum Sozialwohnungsprogramme und auch in der derzeitigen akuten Notlage keine staatlichen Regulierungsmaßnahmen, um Mietsteigerungen und Räumungen zu verhindern.

Dass es Staaten, Unternehmen und auch Einzelpersonen gibt, die Kriege vor allem als Möglichkeit sehen, um Profit zu machen, ist ja leider nichts Neues – und wird auch bei diesem Krieg in der Ukraine zur Genüge überall auf der Welt so betrieben. Aber in der Ukraine selbst? Das finde ich nun schon reichlich schräg – um nicht zu sagen schäbig.

Da gibt es also eine Menge Binnenflüchtlinge in der Ukraine, die aus unmittelbar betroffenen Kriegsgebieten flüchten, und dann haben da die Vermieter in den Regionen, in die diese Menschen flüchten, nichts Besseres zu tun, als die Mieten zu erhöhen, weil ja nun mehr Nachfrage besteht.

Geht es noch asozialer, bitte schön?

Und was ja auch interessant ist: Die Regierung der Ukraine hält es auch nicht für notwendig, da mal regulierend einzugreifen. Was ja nur mal wieder zeigt, dass man auf die eigene Bevölkerung und deren Bedürfnisse ziemlich – entschuldigt bitte die derbe Wortwahl – scheißt.

Aber das passt ja eben auch wieder dazu, wie sich Selenskij und seine Spießgesellen nicht nur vor dem Krieg (s. hier), sondern auch seit dem russischen Überfall gebärden (s. hier und hier): nämlich als kleptokratische Oligarchenschergen par excellence.

Wie wäre es also, wenn man nun erst mal die zusätzlichen Profite der Vermieter (bei denen es meiner Vorstellung nach bestimmt einige Überschneidungen mit den ukrainischen Oligarchen gibt) abschöpfen würde, anstatt nun dauernd die Regierungen anderer Länder anzubetteln, finanzielle Unterstützung für die Ukraine zu leisten?

Die „normalen“ Menschen in der Ukraine sind also zurzeit gerade so richtig doppelt am Arsch: Zum einen werden sie und die Infrastruktur, die sie zum Leben benötigen, von russischen Angriffen massiv bedroht und attackiert, und zum anderen zeigen ihre eigene Regierung und die dahinterstehenden Oligarchen auch, dass sie sich für ihre Belange nun so überhaupt gar nicht interessieren.

Menschen und deren Leiden als Verwaltungsmasse zur Produktion entsprechender Social-Media-Bilder (s. hier), die wiederum dazu dienen, sich selbst zu bereichern. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass wir in einer kannibalischen und menschenverachtenden Weltordnung leben, dann wird er gerade von diesem Krieg in der Ukraine geliefert.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Solidarität mit/in der Ukraine“

  1. Ein Zitat aus einem Artikel von Christian Baron auf der Freitag zeigt, wie weit es in der Ukraine mit der Solidarität auch derjenigen her ist, die besonders laut das von anderen einfordern:

    Einer, der 2022 besonders laut nach militärischer Stärke rief, ist Andrij Melnyk, der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland. Wer Verständnis aufbringt für ukrainische Deserteure, den beschimpft er bei Twitter. Den Waffenzwang für ukrainische Männer fand Melnyk gut. Sein 20-jähriger Sohn jedoch kämpft nicht an der Front, sondern studiert in Berlin. Studierende sind von der Mobilmachung in der Ukraine bislang ausgenommen, und Melnyk scheint seinem Jungen nicht nahegelegt zu haben, freiwillig zur Waffe zu greifen. Das Beispiel zeigt: Es ist auch in Osteuropa der „Pöbel“, der nach Meinung der Mächtigen die Freiheit verteidigen soll. Fragt sich nur: wessen Freiheit?

    Noch Fragen?

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