Desert Mountain Tribe: Either That Or The Moon

„Three, two, one – lift up!“ – treffender könnte dieses Debütalbum von zwei Kölner Jungs, die nach London gezogen sind und dort nun mit einem Sänger gemeinsame Sache unter dem Namen Desert Mountain Tribe machen, gar nicht anfangen. Denn was die drei dort zelebrieren, nimmt den Hörer in der Tat mit auf eine Art Trip mit Suchtpotenzial.

Dabei wird auf „Either That Or The Moon“ das musikalisch Rad bestimmt nicht neu erfunden, die Ingredenzien dieses akustischen Leckerbissens sind im Grunde hinlänglich bekannt, allerdings eher selten in einer solchen frischen Kombination: Der Bass erinnert an selige Postpunk-Zeiten (streckenweise fühlt man sich sehr an Peter Hook [Joy Division/New Order] erinnert, was ja von Bands wie Interpol oder die frühen Editors auch schon aufgegriffen wurde. Nun kommt aber eine alles andere als die dazu eigentlich passende unterkühlte Klangästhetik hinzu, sondern die Gitarre geht recht deutlich in Richtung Spacerock – inklusive eruptiver Ausbrüche und herrlicher Soli. Dazu gesellt sich dann der Gesang, der durch die recht starke Verhallung ein wenig entrückt wirkt, durchaus auch zu einer Stoner-Rock-Band passen würde und einiges an 70ies-Flair versprüht.

Dieses Konzept setzen die Jungs in neun Songs zwischen dreieinhalb und neun Minuten derart gekonnt und abwechslungsreich um, dass garantiert keine Langeweile aufkommt. Nach dem Opener Feel The Light, der nach oben beschriebenem Einstieg sogleich in die Vollen geht und mit einer herrlichen Hookline im Refrain und Gitarreneskapaden aufwartet, geht es mit dem knackigen Take A Ride weiter, das mit seinem hymnischen Refrain Singlequalitäten aufweist – aber derartige Musik wird ja eh nicht im Radion gespielt. Selbst in den dreieinhalb Minuten schafft es die Band noch, zum Schluss zumindest einen kleinen Gitarrenvulkan zu entfachen. Midnight Sky geht danach erst mal etwas bedächtiger zur Sache, überzeugt dann aber schon bald mit einem schön schleppenden Riff, das sich ein Wechselspiel mit der Akustikgitarre liefert – und schließlich wird es wieder ein wenig hymnisch, und die Gitarre geht fast ein wenig in Richtung The Cure. Heaven And Hell hat dann die stärksten Joy-Division-Referenzen, wobei der Gesang natürlich weit weg von Ian Curtis‘ Timbre ist, und schaukelt sich in knapp sechs Minuten immer weiter auf, bis es schließlich in schönem Feedback endet.

Und so reiht sich ein Highlight ans nächste, mal etwas forscher, mal durchaus mit Bedächtigkeit (wie das großartige Way Down), mal fast ein wenig mit Doors-Feeling versehen (OC Dream), dabei immer mit herrlichen Melodien versehen – und eben mit diesen fantastischen Gitarren, deren spacige Eskapaden jedem Song ein wenig Trip-Charakter geben. Das Ganze endet dann im wahrlich fulminanten Interstellar, das sämtliche Qualitäten der Band noch einmal zusammenfasst und einen in neun Minuten in die Weiten des Weltraums entführt. Die beiden Bonustracks Coming Down und Leave It Behind bilden dann noch einen schönen Abschluss und bringen den Hörer nach Interstellar wieder zurück auf die Erde.

Was für ein Debütalbum! Es bleibt zu hoffen, dass die drei Jungs ihre Spielfreude und Unbekümmertheit bewahren können, denn es wird schwer, mit dem Nachfolger „Either That Or The Moon“ zu toppen. Aber das ist ja noch alles Zukunftsmusik, und solange kann man sich an diesem herrlichen Album erfreuen.

print

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar