Das Rezo-Video – und die schäbige Reaktion der CDU darauf

Das Video „Die Zerstörung der CDU“ des YouTube-Videobloggers Rezo (unbedingt anschauen, die 55 Minuten vergehen wie im Flug, und das ist echt super gemacht) verbreitet sich zurzeit ja massiv über soziale Medien und hatte gestern bereits mehr als vier Millionen Menschen erreicht. Rezo findet dabei deutliche Worte für die Politik der CDU, die er als inkompetent und destruktiv beschreibt und dies mit Hunderten von Quellen belegt. Und wie regiert die CDU darauf? Auf allerschäbigste Art und Weise, nämlich nicht argumentativ, sondern mit Pöbeleien, Diffamierungen und „Fake News“-Gebölke. Damit übernimmt man dann endgültig das Diskursverhalten der Antidemokraten von der AfD  und entlarvt sich als Partei, die nicht mehr dem demokratischen Spektrum zugezählt werden kann.

Dabei ist das Video von Rezo doch eigentlich eine gute Sache, die das unterstützt, was auch von CDU-Politikern in Sonntagsreden immer wieder gefordert wird: Junge Menschen sollten sich stärker für Politik interessieren. Und nun gelingt genau dies einem jungen Mann, der so einen Populismus im positiven Sinne, wie ich ihn gerade letzte Woche in einem Artikel hier auf unterströmt beschrieb betreibt: Auf gut verständliche Weise wird Komplexes erklärt, das Ganze ist gut belegt und dient nicht dazu, den eigenen Wissensvorsprung zu vergrößern, sondern zu verkleinern.

Nur ist das Video inhaltlich eben nicht gerade im Sinne der CDU, denn deren Image, das ja vor allem darauf abstellt, die Partei der Mitte zu sein, wird schon sehr deutlich demontiert, zudem wird auch noch die Inkompetenz der CDU hervorgehoben, die sich ja gern seriös geriert als politische Kraft, die qualifiziert agiert. Man ist zwar als politisch interessierter Mensch von der CDU mittlerweile gewohnt, dass sie inkompetente (Karliczek, Altmaier), korrumpierte (Spahn, Scheuer, Klöckner, von der Leyen) und sogar rechtsextreme (Seehofer) Personen auf Bundesministerposten hievt, aber was die Drogenbeauftragte der Partei Marlene Mortler an vollkommen fehlender Qualifikation offen in dem Video zur Schau stellt, das ist schon eine solche Frechheit, dass es an Verachtung demokratischer Prozesse und Positionen grenzt und vor allem einen Schluss zulässt: Anscheinend ist es bei der CDU überhaupt nicht wichtig, was jemand draufhat, Hauptsache, er oder sie hat sich im Parteiapparat hochgedient und wird dann dafür mit einem lukrativen Pöstchen belohnt. Das ist offener Kader-Nepotismus, und so was hat in einer Demokratie nichts zu suchen!

So einen Enttarnung der Verlogenheit der eigenen Darstellung stößt der CDU natürlich sauer auf, genauso wie die Tatsache, dass politisch Uninteressierte über die miesen Machenschaften der Partei informiert werden, da gerade diese Menschen ja sonst häufig CDU gewählt haben (s. hier). Und nach den Vorwürfen im Video sollte man nun meinen, dass die CDU eine qualifiziert argumentative Reaktion folgen lässt, um Rezo eben allein damit schon ein Stück weit zu widerlegen.

Doch weit gefehlt …

Wie aus einem t3n-Interview mit Rezo und einem Artikel auf Der Volksverpetzer hervorgeht, wird von CDU-Politikern vor allem gepöbelt, Rezo wird persönlich angegriffen und als inkompetent zu diffamieren versucht, zudem wird trotz der zahlreichen Belege, die er für seine im Video getätigten Aussagen angeführt hat, der Vorwurf „Fake News“ herausgeblökt. Und selbst für offene Rechtsaußenrhetorik wie „linksgrüner Aktivist“ (wenigstens „versiffter“ wurde weggelassen) war sich Jens Münster von der JU nicht zu schade. Dabei wäre eine (zumindest partielle) Kritik an Rezo durchaus möglich gewesen, wie der oben verlinkte Volksverpetzer-Artikel ebenfalls darlegt. Aber dazu scheint man bei der CDU nicht willens und/oder in der Lage zu sein.

Das ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein intellektuelles Armutszeugnis und zeigt für mich, dass die CDU mittlerweile in der Tat ein Haufen von inkompetenten Karrieristen zu sein scheint, die sich von der AfD so gut wie nicht mehr unterscheidet. Was ja auch damit zusammenpasst, dass sich immer weiter an die Blaubraunen rangewanzt wird seit längerer Zeit (s. hier und hier).

Insofern hat das Video noch einen weiteren positiven Effekt: Es entlarvt die CDU endgültig als das, was sie ist: eine Partei, die keinen demokratischen Anstand mehr hat und ihre vollkommene Korrumpiertheit mit übelsten rechtspopulisitischen Methoden verteidigt. Von so einer Trümmertruppe ist nichts Konstruktives zu erwarten, und das sollte man in dieser Deutlichkeit auch allen Wähler mitteilen.

Und nun höre ich schon diejenigen, die sagen: „Ja, aber die anderen Parteien kann man ja auch nicht wählen, die sind ja auch nicht viel besser!“

Das stimmt natürlich schon, aber da sollte man dann doch mal ein bisschen hinschauen, warum das so ist:

Die SPD ist unwählbar – seit die Seeheimer die Partei immer mehr an die CDU angenähert haben.

Die FDP ist unwählbar – seit sie mit dem Lambsdorff-Papier ihr sozialliberales Profile gegen ein wirtschaftsliberales getauscht hat, um mit der CDU zu koalieren.

Die Grünen sind unwählbar – seit sie immer häufiger mit der CDU koalieren und offen deren Politik betreiben.

Die AfD ist ohnehin unwählbar – und sie ist ein Kind der CDU (s. dazu hier) um die Positionen von deren rechtem Flügel offen zu artikulieren und rechtspopulistisch unzufriedene Wähler einzufangen.

Die Gemeinsamkeit ist unübersehbar, oder? Die CDU.

Insofern sollte man da zunächst mal an die Wurzel gehen und das Grundübel hinter den immer deutlicher zutage tretenden sozialen und ökologischen Verwerfungen von politischer Macht fernhalten.

Daher kann die Konsequenz nun erst recht, nach Rezos Video und den CDU-Reaktionen darauf, nur lauten: nie wieder CDU!

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

2 thoughts to “Das Rezo-Video – und die schäbige Reaktion der CDU darauf”

  1. Auch Christoph Sieber stellt die Reaktion der CDU auf das Rezo-Video in einem Videostatement auf seiner Facebook-Seite als problematisch da, weil eben überhaupt nicht inhaltlich argumentiert wird. Das war auch schon bei Kevin Kühnerts Vorschlägen für eine postkapitalistische Gesellschaft vor Kurzem so. Damit offenbart die CDU vor allem eins: Die Partei hat weder Ideen noch Konzepte, um die Zukunft zu gestalten.

  2. Auf Sepktrum.de hat Stefan Rahmsdorf die Aussagen von Rezo zum Klimawandel mal einem Faktencheck unterzogen (was ja eigentlich Aufgabe der CDU gewesen wäre, die dem YouTuber ja „Fake News“ vorgeworfen haben). Dabei kommt er zu einem eindeutigen Ergebnis: Das stimmt zum größten Teil alles genau so, wie Rezo es dargestellt hat.

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