Kauf Dich glücklich (und wir schauen dabei zu)!

Man kommt ja im Grunde nicht darum herum, zurzeit auf ein Kauf-Event nach dem anderen gestoßen zu werden. Der Black Friday schwappte da vor einigen Jahren aus den USA zu uns rüber: Der vierte Freitag im November soll nach dem traditionellen Thanksgiving-Donnerstag das Weihnachtsgeschäft einläuten, und da lockten dann viele Konsumtempel mit reichlich Sonderangeboten. Aus dem Friday wurde dann schon bald eine ganze Black Week, und jetzt ist dann auch noch aus China der Singles‘ Day dazugekommen am 11. November, der ebenfalls mit massiven Kaufofferten lockt und diesen Tag zum umsatzstärksten im Onlinehandel gemacht hat.

Was nun sonst eher als nerviges Werbegedöns abgetan werden konnte, bekommt dieses Jahr allerdings noch einen anderen Beigeschmack. Denn zurzeit haben wir ja im November den sogenannten Teil-Lockdown, der vor allem auch Gastronomie und Kulturveranstaltungen trifft. Tja, und was machen viele Menschen wohl, wenn sie kulinarischen und kulturellen Vergnügen nicht mehr nachgehen können und dann mit Werbung und Sonderangeboten dichtgeballert werden? Genau, sie tätigen Kompensationskäufe mit dem Geld, was sie sonst in Restaurants, Kinos, Theatern und Kontert-Locations ausgegeben hätten, um so der Tristesse (vermeintlich) ein wenig entfliehen zu können. Schließlich wird ihnen ja seit Jahren erzählt, dass Kaufen glücklich macht – auch wenn das gar nicht stimmt. Aber nicht umsonst ist Shopping ganz selbstverständlich für viele eines ihrer hauptsächlichen Hobbys.

Das passt also echt super wie die Faust aufs Auge mit diesem November-Lockdown – zumindest für die Handelsketten, die einen Onlineshop betreiben und es sich leisten können, große Werbekampagnen für Black Friday und Week sowie den Singles‘ Day loszutreten. Ich tippe mal, dass bei dieser Entscheidung der Bundesregierung in einigen Konzernzentralen und -vorständen die Sektkorken geknallt haben dürften ob dieser guten Gelegenheit zum Mehrumsatz.

Daran sieht man dann übrigens auch, dass die Frage „Was hat die Regierung davon, wenn die Wirtschaft vor die Wand gefahren wird?“, die man immer wieder hört, wenn man das Corona-„Krisenmanagement“ kritisiert oder hinterfragt, reiner Populismus ist. Denn es wird ja nicht „die Wirtschaft“ runtergefahren, sondern nur Teile davon. Jeff Bezos dürfte sich zum Beispiel nicht gerade beklagen wegen der Corona-Lockdowns, wie die Zahl der Monats aus dem Oxfam-Newsletter belegt:

 

Und nicht nur er, sondern generell haben die Dollarmilliardäre bisher sehr von der Pandemie profitiert und ihre Vermögen massiv vergrößern können in diesem Jahr, wie ein Artikel auf Spiegel Online schon vor einigen Wochen berichtete. Klar, wer Investitionen in Digitalunternehmen und auch ins Gesundheitswesen getätigt hat, der hat allen Grund zu Freude, und ich schätze mal, dass es da einige von diesen Nutznießern gibt, die hoffen, dass der aktuelle Zustand noch ein bisschen anhält (s. hier).

Und dann gibt es noch eine Gruppe von Personen, die gerade ziemlich glücklich mit der wirtschaftlichen Entwicklung als Folge der Corona-Maßnahmen sein dürfte: Die Überwachungsfreunde sehen es m. E. sicherlich auch recht gern, wenn der stationäre Einzelhandel ausblutet, denn Onlinekunden und ihr Konsumverhalten kann man schließlich schön observieren. Bevor jetzt wieder ein Untertan was von „Verschwörungstheorie“ quakt, nur so viel: Die Voraussetzungen dafür wurden in den letzten Wochen deutlich verbessert: Auf EU-Ebene wird die Verschlüsslung von Onlinekommunikation gerade quasi abgeschafft (s. hier), und vonseiten der CDU wird die Forderung laut, dass es eine gesetzliche Verpflichtung zur Nutzung der Corona-App geben soll (s. hier), was ja nichts anderes bedeutet, als dass verpflichtend alle Bürger ein Smartphone haben müssten, auf das staatliche Software aufgespielt wird – der feuchte Traum eines jedes Überwachungsfetischisten!

Dazu passt dann auch, dass die 2001 ins Leben gerufenen Terrorismusbekämpfungs- und Überwachungsnormen, die immer nur eine befristete Gültigkeit hatten und ein paarmal verlängert wurden, nun gerade in Gesetzesform gegossen und von den Stimmen der GroKo verabschiedet wurden. Hat man irgendwie kaum was von mitbekommen, oder? Ich hab dazu auch nur einen Kommentar von Kai Biermann auf Zeit Online gefunden, den es auch verwundert, dass es deswegen keine öffentliche Empörung gegeben hat.

Und alle diese jetzt und in den letzten Jahren beschlossenen Überwachungsmaßnahmen kommen nun mit dem Umstand zusammen, dass die Bürger nicht nur zum Einkaufen immer mehr online (und damit prima überwachbar) unterwegs sind, sondern nun auch zunehmend zum Kulturgenuss – Netflix und Co. statt Kino und Theater.

Auch das private Gespräch beim Treffen mit Freunden in Kneipen wird nun zunehmend ins Virtuelle verlagert, was man dann auch wiederum schön abhören und aufzeichnen kann. Alles nur Paranoia? Nö, wie man an den Beispielen der häufig verwendeten Kommunikationsplattformen von Zoom und Telegram sieht, die alles andere als sichere und private Kommunikation gewährleisten – und die im Fall von Telegram sogar das Image der Datensicherheit nutzen, um die vom laschen Datenschutz von Facebook und Co. frustrierten User abzuwerben.

Diese Lockdown-Maßnahmen befördern also das, was schon immer CDU-Ziele waren: das Anwachsen von großen Vermögen, am besten noch durch öffentliche Gelder, bei gleichzeitiger Schaffung des zunehmend gläsernen Bürgers.

Aber das ist bestimmt alles wieder nur Zufall und gar nicht so beabsichtigt …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

2 Gedanken zu „Kauf Dich glücklich (und wir schauen dabei zu)!“

  1. Eine gute Ergänzung zu diesem Artikel bietet die aktuelle Kolumne von Margarete Stokowski auf Spiegel Online, die sich mal an einer ehrlichen Regierungserklärung zu den derzeitigen Corona-Maßnahmen versucht hat.

    Sehr pointiert geschrieben und auch sehr entlarvend, weil sie einfach mal ausspricht, wo beim „Krisenmanagement“ tatsächlich die Prioritäten liegen: Lange lebe das Kapital und Shopping über alles!

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