Doppelmoral par excellence

Zurzeit wird ja mitunter recht heftig diskutiert, wie man denn mit Menschen umgehen soll, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollen. Da ist von einem Impfzwang durch die Hintertür die Rede, wenn vorgeschlagen wird, dass sich Ungeimpfte bald auf eigene Kosten testen lassen müssen, was de facto für viele Menschen den Ausschluss von etlichen gesellschaftlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise in ein Restaurant oder Kino zu gehen, bedeuten würde. Was mich dabei besonders wurmt, ist die Doppelmoral, die dabei mitschwingt, denn die Befürworter von solchen Einschränkungen für Ungeimpfte sind oftmals gleichzeitig auch große Anhänger davon, dass global alle Menschen nicht möglichst schnell geimpft werden können.

Denn nach wie vor sind ja die Patente und Lizenzen der Covid-19-Impfstoffe nicht freigegeben, und es ist vor allem auch Deutschland bzw. die Bundesregierung, die sich dagegen sträuben (s. hier). Das ist nicht nur schlecht für die Menschen im globalen Süden, die so kaum an Impfstoff kommen, schon gar nicht in genügendem Ausmaß, sondern letztlich auch für uns hier in Deutschland, denn solange das Corona-Virus überall anders noch schön vor sich hinmutieren kann (was Viren nun mal so machen), werden wir auch immer neue Varianten davon ins Land bekommen (s. hier).

Covid-19 ist nun mal ein globales Problem, und es wird nichts getan, um das auch mal tatsächlich global in den Griff zu bekommen.

Und vor diesem Hintergrund, dass also Menschen die Impfung verweigert wird, weil man die enormen Gewinne der Unternehmen, die Impfstoffe herstellen, nicht schmälern möchte, finde ich es geradezu grotesk, dass dann hier bei uns Menschen quasi dazu genötigt werden sollen, sich eine Impfung verabreichen zu lassen. Und dass im Zuge dessen, weil das nämlich einige nicht machen, hier sogar immer wieder Impfdosen vernichtet werden. Aber klar: Die sind ja auch schon schön bezahlt worden …

Ich selbst bin übrigens schon längst zweifach geimpft, bevor nun eventuell der Gedanke aufkommen könnte, dass ich hier nur aus Eigeninteresse so argumentieren könnte. Allerdings finde ich es auch legitim, wenn Menschen eben diese Impfung nicht in Anspruch nehmen wollen, solange sie in der Lage sind, die Folgen für sich dann auch abzuschätzen und gegebenenfalls in Kauf zu nehmen. Da halte ich es so, wie es Christoph Sieber auf seiner Facebook-Wall vortrefflich formuliert hat:

Ich empfinde es als widerwärtige Doppelmoral, wenn hier einerseits Grundrechtseinschränkungen postuliert werden mit der Begründung, dass eine Covid-19-Impfung eben extrem wichtig sei, und dann andererseits diese so (m. E. richtigerweise) als wichtig erkannte Impfung anderen Menschen vorenthalten wird. Aber das sind ja auch nur arme Schlucker …

Und genau das ist dann meiner Ansicht nach auch der springende Punkt: Wie bei dem ganzen Corona-„Krisenmanagement“ geht es der Bundesregierung überhaupt nicht in erster Linie um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen, sondern darum, dass man selbst (siehe Maskendeals) und die eigenen Buddies möglichst viel Kohle scheffeln können. Und natürlich, dass viel öffentliche Gelder in private Vermögen transferiert werden. Das haben ich bereits im März 2020 so in einem Artikel dargestellt – und das hat sich dann ja mittlerweile auch sehr bestätigt: Im letzten Jahr gab es in Deutschland mehr neue Millionäre als Corona-Tote (nämlich fast 70.000; s. hier), das globale Finanzvermögen wuchs um 8,3 % (s. hier), und an der Börse herrscht seit Monaten Dauerparty.

Auch diejenigen, die nun die Impfstoffe herstellen, haben nichts auszustehen gehabt – ganz im Gegenteil! Der Börsenwert von Biontech hat gerade die 100-Milliarden-US-Dollar-Marke übersprungen (s. hier) und liegt somit über dem Wert von Konzernen wie Bayer, BASF oder Daimler. Jens Berger betrachtet diese Zahlen in einem Artikel auf den NachDenkSeiten noch mal etwas genauer und bringt vor allem auch den Aspekt mit ins Spiel, dass Biontech ja nun auch einige Hundert Millionen an öffentlichen Geldern bekommen hat für die Forschung am Covid-19-Impfstoff. Was noch hinzukommt: Die Grundlagenforschung, auf der Biontech aufbauen konnte, wurde zum großen Teil ebenfalls mit öffentlichen Geldern bezahlt (s. hier; leider nur als Bezahlartikel).

Was dann in Summe dazu führt, dass der immer als altruistischer Forscher aus Leidenschaft dargestellte Biontech-Gründer Ugur Sahin nun mit einem Vermögen von mehr als 18 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Deutschen gehört. Und die beiden Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann, die über 40 % der Biontech-Aktien halten, sind nun noch reicher als die bisher reichsten Deutschen, die Albrecht-Familie (das sind die von Aldi), und können sich über ein Vermögen von 52 Milliarden US-Dollar freuen.

Ich finde es ja durchaus o. k., wenn die Leistung, in kurzer Zeit einen wirksamen Impfstoff gegen ein solches pandemisches Virus zu entwickeln, auch entsprechend honoriert wird. Wenn Sahin nun mit 10 Millionen Euro aus der Nummer rausgegangen wäre, dann hätte man doch nicht das Gefühl haben müssen, dass er da nun irgendwie kleinlich abgespeist worden wäre, oder? Aber 18 Milliarden US-Dollar? Das passt nun so gar nicht mit dem Image des selbstlosen Menschenfreundes zusammen.

Zumal ja gerade der Biontech-Impfstoff deutlich teurer ist als beispielsweise der von AstraZeneca, nämlich mehr als sechsmal so viel. Wenn man dann noch, wie Jens Berger im oben verlinkten Artikel ausführt, die Gewinnzahlen von Biontech anschaut, dann sollte auch klar sein, dass man da nicht aus reiner Nächstenliebe und zum Selbstkostenpreis produziert: Bei einem Umsatz von 5,3 Milliarden Euro im letzten Jahr sind immerhin 2,8 Milliarden Euro Gewinn angefallen – eine Spanne, von der andere Unternehmen nur träumen können.

Und da der Abnehmer des Biontech-Impfstoffs ja der Staat ist, haben also wir alle diesen enormen, um nicht zu sagen obszönen, Gewinn von Biontech bezahlt. Na ja, und die Menschen im globalen Süden zahlen auch dafür, nämlich mit ihrer Gesundheit und auch ihrem Leben, weil sie keinen Impfstoff bekommen. Schließlich muss ja sichergestellt werden, dass die Profite von Biontech weiter schön sprudeln, sodass die Lizenzen eben nicht freigegeben werden. Was interessieren da schon so ein paar Habenichtse vom anderen Ende der Welt?

Das ist dann also wirklich Doppelmoral vom Allerfeinsten, die vollkommen frei ist von jeder Ethik und jedem Anstand, sondern nur dem einen Ziel folgt: Die Gewinne für diejenigen, die eh schon reich genug sind, schön noch weiter ansteigen zu lassen!

Und im Sinne der Teile-und-herrsche-Strategie die Gesellschaft weiter zu spalten: diesmal in Geimpfte und Ungeimpfte.

Genau vor diesem Hintergrund sollte man auch tunlichst alle aktuellen Diskussionen über eine wie auch immer direkt oder indirekt geartete Impfpflicht bzw. Grundrechtseinschränkungen für Ungeimpfte betrachteten und einordnen!

Wie ich ja schon vor über einem Jahr schrieb: Es geht nicht um Menschenleben

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Doppelmoral par excellence“

  1. Ein Artikel in der Berliner Zeitung von der Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze bestätigt das, was ich in diesem Artikel hier beschrieb. Darin geht es um die Immunität von Menschen, die von Covid-19 genesen sind. Diese sind nämlich, so der Stand der Wissenschaft, sogar deutlich besser gegen eine erneute Erkrankung geschützt als Geimpfte. Dennoch sollen diese Personen zu einer Impfung genötigt werden, da die allgemeine anerkannten Nachweisverfahren für eine bereits durchlaufene Infektion einfach nicht akzeptiert werden.

    Es geht hier also ganz offensichtlich nicht darum, dass die Menschen möglichst gut vor dem Corona-Virus geschützt sind, sondern viele Impfungen zu verabreichen.

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