So lautet zumindest der Tenor, der uns immer wieder und überall um die Ohren gehauen wird und sich mittlerweile in den Köpfen der Menschen verfestigt hat. Klar, im Vergleich zu den armen Teufeln, die beispielsweise aus Syrien flüchten und dabei Kopf und Kragen riskieren, um übers Mittelmeer nach Europa zu kommen, geht es uns in Deutschland natürlich ausgesprochen gut, und auch im Vergleich mit anderen industrialisierten Ländern sieht es hier noch recht manierlich aus, was den Lebensstandard und die soziale Absicherung betrifft, aber sind solche Vergleiche nicht eher Augenwischerei, um tatsächliche Mängel und Risse im deutschen Wohlstand zu kaschieren? Mir fallen zumindest genügend Aspekte ein, die hier zurzeit überhaupt nicht gut laufen und aufgrund derer es vielen Menschen in unserem Land zunehmend schlechter geht, und die Betrachtung der eigenen Entwicklung sollte doch Priorität haben vor dem beschwichtigenden Herabschauen auf die, denen es schlechter geht.
Kategorie: Soziales
FIFA-Skandal
Vor gut einer Woche wurden einige hochrangigen FIFA-Funktionäre in der Schweiz auf Veranlassung von US-Behörden wegen Korruptionsverdacht festgenommen. Mein erster Gedanke dazu war: Na ja, dass die FIFA ein komplett korrupter Verein ist, ist ja nun wahrlich nichts Neues, also wieso wird da nun auf einmal so eine Aktion in die Wege geleitet? Geht es da vielleicht auch um etwas anderes, als nur gegen einen Verband vorzugehen, dessen offensichtlich mafiöse Strukturen ja seit Jahrzehnten auch bisher niemanden gestört haben?
BILD-Boykott, Runde 2
Vor einigen Wochen berichtete ich über einen Boykott der BILD vonseiten einiger Einzelhändler, die keine Lust mehr haben, das hetzerische Blatt zu verkaufen. Nun lässt sich die BILD allerdings nicht so leicht aus dem Sortiment verdrängen, wie es aussieht …
Auto ummelden in Hamburg
Vor einigen Wochen war es so weit: Mein treuer Opel Corsa hat mit 15 Jahren, nachdem er acht Jahre davon mein Gefährt war, die Hürde TÜV nicht mehr geschafft, sodass ein neuer fahrbarer Untersatz hermusste. Dessen Beschaffung war dann auch nicht das Problem, doch dann musste der Wagen ja auch noch angemeldet werden. Und das war dann ein ziemlich unglaubliches Theater, das zeigt, dass der viel gepriesene „schlanke Staat“ vor allem mit Kosten und Erschwernissen für den Bürger verbunden ist.
Moderne Götzen
In den letzten Jahren konnte ich feststellen, dass in Politik und Wirtschaft eine zunehmende Irrationalität um sich greift: Sachen, die augenfällig schieflaufen (zum Beispiel die den südeuropäischen Ländern aufoktroyierte Austeritätspolitik), werden weiter betrieben und als alternativlos bezeichnet – wobei es ja in einer Demokratie immer auch diskussionswürdige Alternativen geben sollte -, Politik löst sich immer mehr von Inhalten, sodass Menschen Parteien wählen, die genau gegen ihre eigenen Interessen handeln, und der Neoliberalismus ist ein unumstößliches Dogma geworden, auch wenn sein Scheitern überall zu beobachten ist (schrumpfendes Wachstum, steigende Arbeitslosenzahlen, stetig wachsende Ungleichheit, fortschreitende Zerstörung der Umwelt). Ein solches Beharren auf Standpunkten gegen jede Logik hat schon fast etwas Religiöses, und wenn man es genauer betrachtet, haben auch einige Dinge unseres Alltags quasi eine Götzenfunktion angenommen, die sie über ihre eigentliche Funktion hinaus erhöht – was einiges an Problemen schafft!
Wie die Politik sich selbst abschafft
Ich frage mich, ob den Politikern in Deutschland überhaupt klar ist, dass sie mit dieser neoliberalen Vorstellung der marktkonformen Demokratie selbst zur aussterbenden Gattung gehören. Wenn Gesetze durch Freihandelsabkommen und Steueroasen kaum noch greifen und in den Ministerien die Lobbyisten die Gesetztesentwürfe schreiben (siehe z. B. „Der gekaufte Staat”, ISBN 978-3-462-04099-9), wer benötigt dann noch diese Zunft der Politiker?
Unsere US-amerikanischen Freunde …
Vor ein paar Tagen schaute ich mir den von Dirk hier auf unterströmt verlinkten Film „War made easy – Wenn Amerikas Präsidenten lügen“ an. Ganz schön starker Tobak, der einem dort präsentiert wird, und vor allem ist das ja nicht das Einzige, was man an der politischen Führung der USA kritisieren kann. Wenn man sich das alles mal so vor Augen führt, dann wirft das insgesamt kein sehr gutes Bild auf unsere Verbündeten und Freunde, die sich selbst immer als das Land der Freiheit und die Guten darstellen – und leider doch irgendwie das totale Gegenteil davon sind.
Es gibt anscheinend solche und solche Tote …
Zwei Unglücke mit jeweils vielen Toten innerhalb von wenigen Wochen – zum einen das in den Alpen abgestürzte Flugzeug, zum anderen die ca. 400 ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer. Beide Vorfälle sind tragisch, und auch wenn die Ursachen unterschiedlich sein mögen, so ist es doch vor allem die Verschiedenartigkeit der Rezeption, die einen zum Nachdenken anregen sollte. Denn diese wirft kein allzu gutes Licht auf unsere heutige Gesellschaft.
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing
Auf Deutschlandradio Kultur gab Christiane Nüsslein-Volhard, Biologin, Medizinnobelpreisträgerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, ein Interview zum Thema grüne Gentechnik, in dem sie mit ziemlicher Vehemenz den deutschen Konsumenten Ahnungslosigkeit vorwarf beim Thema Lebensmittel: Kaum einer wisse, wo sein Essen überhaupt herkommt und wie es erzeugt wird. Und aus diesem Grund echauffiert sie sich auch mächtig darüber, dass die Gentechnik eine solche große Ablehnung in Deutschland erfährt.
BILD-Boykott
Irgendwie wissen ja alle, dass die BILD keine seriöse Zeitung mit journalistisch fundierter Berichterstattung ist, sondern vielmehr ein Organ, dass Stimmungen schürt, Unwahrheiten verbreitet und Menschen gegeneinander aufhetzt. Trotzdem gibt es nicht wenige Menschen, die jeden Tag die BILD kaufen, sie irgendwo mitlesen oder auf die Webseite bild.de schauen und dort Artikel lesen oder sogar bei Facebook teilen. Mich persönlich wundert das schon seit Längerem, nun allerdings scheint das Maß zumindest so weit voll zu sein, dass immer mehr Einzelhändler erklären, die BILD nicht mehr verkaufen zu wollen.

